Finanzierung
Wer bezahlt das Wachstum?
Vom ersten Franken aus der eigenen Tasche bis zur Series-A-Runde: welches Kapital passt zu welcher Phase – und was Geldgeber im Gegenzug erwarten.
Nach Phase
Finanzierung folgt der Reife.
Nicht jedes Instrument passt zu jeder Phase. Wer im Idea-Stage zur Bank geht, bekommt keinen Kredit. Wer nach dem Series A noch mit 3F-Kapital hantiert, verliert Zeit und Momentum.
Idee
CHF 0 – 50'000
Eigenmittel, 3F (Family, Friends, Fools), Wettbewerbe
Konzept, Prototyp, erste Kundengespräche. Investoren erwarten in dieser Phase noch keine Traktion, aber ein klares Problem und einen glaubwürdigen Lösungsansatz.
Pre-Seed
CHF 50'000 – 500'000
Venture Kick, W.A. de Vigier, Innosuisse-Coaching, erste Business Angels
MVP live, erste zahlende Kunden oder Pilotpartner. Bewertung meist zwischen CHF 1–5 Mio Post-Money.
Seed
CHF 500'000 – 3 Mio
Angel-Syndikate (SICTIC, BAS), Seed-Fonds, Wandeldarlehen
Skalierbares Geschäftsmodell, Product-Market-Fit-Signale, kleines Team. Bewertung CHF 3–10 Mio.
Series A
CHF 3 – 15 Mio
VC-Fonds (Redalpine, Lakestar, btov, Verve, Wingman)
Wachstumsphase: klar messbare Unit Economics, wiederkehrende Umsätze, internationaler Anspruch.
Wachstum / Series B+
CHF 15 Mio+
Growth-Fonds, Corporate VC, Private Equity, Debt Financing
Etablierte Marktposition, Fokus auf Expansion, M&A und Effizienz. Häufig gemischt aus Equity und Fremdkapital.
Instrumente
Die Werkzeuge im Detail
Bootstrapping & 3F
Eigenmittel und Kapital aus dem privaten Umfeld (Family, Friends, Fools). Vorteil: keine Verwässerung, keine externen Anforderungen. Nachteil: begrenzte Höhe, persönliche Risiken. Für viele Dienstleistungs-Startups reicht Bootstrapping bis zur Rentabilität.
Bankkredit & KMU-Kredit
Klassischer Firmenkredit einer Schweizer Bank – meist besichert (Bürgschaft, Verpfändung, Sicherstellung). Zinssätze für KMU 2026 typischerweise 2.5–5 % je nach Bonität. Banken verlangen 2–3 Jahre Geschäftsabschlüsse, Businessplan und meist eine Bürgschaft, wenn keine harten Sicherheiten vorhanden sind.
Bürgschaftsgenossenschaften
Vier vom Bund unterstützte Bürgschaftsgenossenschaften (BG Mitte, BG Ost, BG SüdWest, SAFFA – letztere für Frauen) verbürgen Bankkredite bis CHF 1 Mio. Der Bund trägt Verluste zu 65 % mit. Bürgschaftsprovision ca. 1.25 % p.a. Ideal für Firmen mit tragfähigem Konzept, aber ohne Sicherheiten.
Business Angels
Privatinvestoren, die eigenes Geld, Netzwerk und Erfahrung einbringen. Tickets meist CHF 25'000 – 250'000. Wichtigste Anlaufstellen in der Schweiz: SICTIC (grösstes Netzwerk, tech-fokussiert), Go Beyond, Business Angels Switzerland (BAS), A3 Angels.
Venture Capital
Professionelle Fonds mit Ticketgrössen ab ca. CHF 500'000. Aktive Schweizer VCs: Redalpine, Lakestar, btov, Verve Ventures, Wingman Ventures, Serpentine Ventures, Swisscom Ventures, Alpana Ventures. Erwarten typischerweise 10 %+ Anteil, Board-Sitz und klare Exit-Perspektive.
Crowdfunding
Reward-based über wemakeit oder funders.ch (Kunden vorfinanzieren Produkte). Equity-Crowdfunding über Conda oder Investiere. Lending-Crowdfunding über Crowd4Cash, Lend, Swisspeers. Nebeneffekt: Marketing und Validierung.
Innovationsförderung
Innosuisse-Innovationsprojekte (Kostenbeteiligung durch den Bund bei F&E mit Hochschule), Innosuisse-Startup-Coaching (Core & Scale-up Coaching kostenlos), BRIDGE (Proof-of-Concept), Venture Kick (bis CHF 150'000), Venturelab, W.A. de Vigier Preis (5x CHF 100'000/Jahr), >>venture>>. Nicht-verwässerndes Kapital.
Nicht-verwässerndes Kapital zuerst
Regional
Kantonale & regionale Förderung
Jede Region der Schweiz hat eigene Innovations- und Standortförderstellen. Sie bieten meist kostenloses Coaching, Zugang zu Netzwerken und teilweise Darlehen oder Preisgelder.
Standortförderung Kanton Zürich
Beratung, Netzwerk, Zugang zu Programmen für Start-ups mit Sitz ZH.
Innovaud (VD)
Kantonale Innovationsagentur, Coaching und Zugang zu Kapital im Waadtland.
Fondation FIT (Waadt / Romandie)
Zinslose Innovationsdarlehen bis CHF 100'000 für frühphasige Startups.
Startfeld (Ostschweiz)
Coaching, Diamant-Preis, Zugang zu Investoren in der Region St. Gallen.
BaselArea.swiss (BS/BL)
Innovation Hub für Life Sciences, Medtech, Innovation.
Innovaargau (AG)
Innovationsförderung und Vernetzung im Kanton Aargau.
Wenn's ernst wird
Was Investoren im Term Sheet regeln
Ein Term Sheet ist die Skizze der Investmentbedingungen – rechtlich meist unverbindlich, faktisch aber die Basis für Beteiligungsvertrag und Aktionärsbindungsvertrag. Diese Klauseln solltest du verstehen, bevor du unterschreibst.
- Valuation (Pre-/Post-Money)
- Bewertung vor bzw. nach Investment. Bestimmt die Verwässerung der Gründer.
- Liquidation Preference
- Rangfolge im Exit-Fall. "1x non-participating" ist marktüblich; participating oder Multiples > 1x sind investorenfreundlich.
- Vesting
- Gründer-Aktien werden über 4 Jahre mit 1-Jahres-Cliff freigegeben – schützt vor Absprung eines Co-Founders.
- Anti-Dilution
- Schutz gegen tiefere Bewertungen in späteren Runden. Weighted-Average ist fair, Full-Ratchet sehr investorenfreundlich.
- Pro-Rata-Rechte
- Investoren dürfen ihre Beteiligungsquote in Folgerunden halten.
- Drag-Along / Tag-Along
- Regelt Mitverkaufspflichten bei Exit. Standard, aber Schwellen beachten.
- Board-Sitze
- Wer sitzt im Verwaltungsrat? Wichtig für strategische Kontrolle.
Pitch-Deck: die 10 Standard-Slides
Investoren sehen tausende Decks. Was funktioniert, ist eine knappe, klare Reihenfolge: (1) Problem, (2) Lösung, (3) Markt & Grösse, (4) Produkt / Demo, (5) Business Model, (6) Traction / KPIs, (7) Go-to-Market, (8) Team, (9) Financials & Ask, (10) Vision. 10–15 Slides, unter 10 Minuten. Anhang für Details.
Rechtsform und Kapitalrunden
Für Kapitalrunden ist die AG praktisch immer die richtige Rechtsform: Aktien lassen sich einfacher übertragen als Stammanteile einer GmbH, Mitarbeiterbeteiligungen sind flexibler, und ein Aktionärsbindungsvertrag ist Standard. GmbH lässt sich bei Bedarf steuerneutral in eine AG umwandeln.
