Finanzierung

Wer bezahlt das Wachstum?

Vom ersten Franken aus der eigenen Tasche bis zur Series-A-Runde: welches Kapital passt zu welcher Phase – und was Geldgeber im Gegenzug erwarten.

Nach Phase

Finanzierung folgt der Reife.

Nicht jedes Instrument passt zu jeder Phase. Wer im Idea-Stage zur Bank geht, bekommt keinen Kredit. Wer nach dem Series A noch mit 3F-Kapital hantiert, verliert Zeit und Momentum.

  1. Idee

    CHF 0 – 50'000

    Eigenmittel, 3F (Family, Friends, Fools), Wettbewerbe

    Konzept, Prototyp, erste Kundengespräche. Investoren erwarten in dieser Phase noch keine Traktion, aber ein klares Problem und einen glaubwürdigen Lösungsansatz.

  2. Pre-Seed

    CHF 50'000 – 500'000

    Venture Kick, W.A. de Vigier, Innosuisse-Coaching, erste Business Angels

    MVP live, erste zahlende Kunden oder Pilotpartner. Bewertung meist zwischen CHF 1–5 Mio Post-Money.

  3. Seed

    CHF 500'000 – 3 Mio

    Angel-Syndikate (SICTIC, BAS), Seed-Fonds, Wandeldarlehen

    Skalierbares Geschäftsmodell, Product-Market-Fit-Signale, kleines Team. Bewertung CHF 3–10 Mio.

  4. Series A

    CHF 3 – 15 Mio

    VC-Fonds (Redalpine, Lakestar, btov, Verve, Wingman)

    Wachstumsphase: klar messbare Unit Economics, wiederkehrende Umsätze, internationaler Anspruch.

  5. Wachstum / Series B+

    CHF 15 Mio+

    Growth-Fonds, Corporate VC, Private Equity, Debt Financing

    Etablierte Marktposition, Fokus auf Expansion, M&A und Effizienz. Häufig gemischt aus Equity und Fremdkapital.

Instrumente

Die Werkzeuge im Detail

Bootstrapping & 3F

Eigenmittel und Kapital aus dem privaten Umfeld (Family, Friends, Fools). Vorteil: keine Verwässerung, keine externen Anforderungen. Nachteil: begrenzte Höhe, persönliche Risiken. Für viele Dienstleistungs-Startups reicht Bootstrapping bis zur Rentabilität.

Bankkredit & KMU-Kredit

Klassischer Firmenkredit einer Schweizer Bank – meist besichert (Bürgschaft, Verpfändung, Sicherstellung). Zinssätze für KMU 2026 typischerweise 2.5–5 % je nach Bonität. Banken verlangen 2–3 Jahre Geschäftsabschlüsse, Businessplan und meist eine Bürgschaft, wenn keine harten Sicherheiten vorhanden sind.

Bürgschaftsgenossenschaften

Vier vom Bund unterstützte Bürgschaftsgenossenschaften (BG Mitte, BG Ost, BG SüdWest, SAFFA – letztere für Frauen) verbürgen Bankkredite bis CHF 1 Mio. Der Bund trägt Verluste zu 65 % mit. Bürgschaftsprovision ca. 1.25 % p.a. Ideal für Firmen mit tragfähigem Konzept, aber ohne Sicherheiten.

Business Angels

Privatinvestoren, die eigenes Geld, Netzwerk und Erfahrung einbringen. Tickets meist CHF 25'000 – 250'000. Wichtigste Anlaufstellen in der Schweiz: SICTIC (grösstes Netzwerk, tech-fokussiert), Go Beyond, Business Angels Switzerland (BAS), A3 Angels.

Venture Capital

Professionelle Fonds mit Ticketgrössen ab ca. CHF 500'000. Aktive Schweizer VCs: Redalpine, Lakestar, btov, Verve Ventures, Wingman Ventures, Serpentine Ventures, Swisscom Ventures, Alpana Ventures. Erwarten typischerweise 10 %+ Anteil, Board-Sitz und klare Exit-Perspektive.

Crowdfunding

Reward-based über wemakeit oder funders.ch (Kunden vorfinanzieren Produkte). Equity-Crowdfunding über Conda oder Investiere. Lending-Crowdfunding über Crowd4Cash, Lend, Swisspeers. Nebeneffekt: Marketing und Validierung.

Innovationsförderung

Innosuisse-Innovations­projekte (Kosten­beteiligung durch den Bund bei F&E mit Hochschule), Innosuisse-Startup-Coaching (Core & Scale-up Coaching kostenlos), BRIDGE (Proof-of-Concept), Venture Kick (bis CHF 150'000), Venturelab, W.A. de Vigier Preis (5x CHF 100'000/Jahr), >>venture>>. Nicht-verwässerndes Kapital.

Nicht-verwässerndes Kapital zuerst

Preise, Coaching-Programme und Innovations­förderung reduzieren deinen Kapitalbedarf – ohne Anteile abzugeben. Bevor du mit Investoren sprichst, prüfe Venture Kick, Innosuisse und branchenspezifische Awards.

Regional

Kantonale & regionale Förderung

Jede Region der Schweiz hat eigene Innovations- und Standortförder­stellen. Sie bieten meist kostenloses Coaching, Zugang zu Netzwerken und teilweise Darlehen oder Preisgelder.

Standortförderung Kanton Zürich

Beratung, Netzwerk, Zugang zu Programmen für Start-ups mit Sitz ZH.

Innovaud (VD)

Kantonale Innovationsagentur, Coaching und Zugang zu Kapital im Waadtland.

Fondation FIT (Waadt / Romandie)

Zinslose Innovations­darlehen bis CHF 100'000 für frühphasige Startups.

Startfeld (Ostschweiz)

Coaching, Diamant-Preis, Zugang zu Investoren in der Region St. Gallen.

BaselArea.swiss (BS/BL)

Innovation Hub für Life Sciences, Medtech, Innovation.

Innovaargau (AG)

Innovations­förderung und Vernetzung im Kanton Aargau.

Wenn's ernst wird

Was Investoren im Term Sheet regeln

Ein Term Sheet ist die Skizze der Investmentbedingungen – rechtlich meist unverbindlich, faktisch aber die Basis für Beteiligungsvertrag und Aktionärsbindungs­vertrag. Diese Klauseln solltest du verstehen, bevor du unterschreibst.

Valuation (Pre-/Post-Money)
Bewertung vor bzw. nach Investment. Bestimmt die Verwässerung der Gründer.
Liquidation Preference
Rangfolge im Exit-Fall. "1x non-participating" ist marktüblich; participating oder Multiples > 1x sind investorenfreundlich.
Vesting
Gründer-Aktien werden über 4 Jahre mit 1-Jahres-Cliff freigegeben – schützt vor Absprung eines Co-Founders.
Anti-Dilution
Schutz gegen tiefere Bewertungen in späteren Runden. Weighted-Average ist fair, Full-Ratchet sehr investorenfreundlich.
Pro-Rata-Rechte
Investoren dürfen ihre Beteiligungsquote in Folgerunden halten.
Drag-Along / Tag-Along
Regelt Mitverkaufspflichten bei Exit. Standard, aber Schwellen beachten.
Board-Sitze
Wer sitzt im Verwaltungsrat? Wichtig für strategische Kontrolle.

Pitch-Deck: die 10 Standard-Slides

Investoren sehen tausende Decks. Was funktioniert, ist eine knappe, klare Reihenfolge: (1) Problem, (2) Lösung, (3) Markt & Grösse, (4) Produkt / Demo, (5) Business Model, (6) Traction / KPIs, (7) Go-to-Market, (8) Team, (9) Financials & Ask, (10) Vision. 10–15 Slides, unter 10 Minuten. Anhang für Details.

Rechtsform und Kapitalrunden

Für Kapitalrunden ist die AG praktisch immer die richtige Rechtsform: Aktien lassen sich einfacher übertragen als Stammanteile einer GmbH, Mitarbeiter­beteiligungen sind flexibler, und ein Aktionärsbindungs­vertrag ist Standard. GmbH lässt sich bei Bedarf steuerneutral in eine AG umwandeln.